USA — Finanzregulatorische Jurisdiktion
Die USA als finanzregulatorische Jurisdiktion: IRS, SEC, FinCEN, FATCA-Regime und die Besonderheit der Nichtbeteiligung am CRS-Standard der OECD.
Zusammenfassung
Die Vereinigten Staaten von Amerika sind die größte Finanzmacht der Welt und eine der wichtigsten Jurisdiktionen in der globalen Finanzregulierung. Die USA verfolgen einen eigenen Ansatz bei der internationalen Steuertransparenz: Statt dem OECD-Standard Common Reporting Standard (CRS) nutzen sie ihr eigenes System FATCA (Foreign Account Tax Compliance Act).
- Steuerbehörde: Internal Revenue Service (IRS)
- Finanzaufsicht: SEC (Wertpapiere), CFTC (Derivate), OCC (Banken), Fed, FDIC
- Geldwäscheaufsicht: FinCEN (Financial Crimes Enforcement Network)
- Besonderheit: USA nehmen nicht am CRS teil; setzen FATCA als bilaterales Instrument durch
- Staatsangehörigkeitsbesteuerung: Einzigartig — USA besteuern ihre Bürger weltweit (Citizenship-based taxation)
Geschichte
Die USA haben eine lange Geschichte als globales Finanzzentrum. Das US-Dollarsystem dominiert seit dem Bretton-Woods-Abkommen von 1944 den Welthandel. Die US-Finanzmärkte (NYSE, NASDAQ) sind die größten der Welt. Das US-Steuersystem ist komplex und historisch auf Resident- und Citizenship-basierter Besteuerung aufgebaut.
Als Reaktion auf Steuerflucht durch ausländische Konten wurde FATCA 2010 als Teil des HIRE Act verabschiedet. Dies war ein Wendepunkt im globalen Steuerinformationsaustausch. Die USA entwickeln FATCA als Alternative zum multilateralen CRS-Standard, dem sie sich jedoch nicht angeschlossen haben — ein anhaltend kritisierter Umstand in der internationalen Gemeinschaft.
Geltungsbereich
Die US-Finanzregulierung erstreckt sich auf:
- Banken und Kreditinstitute: Aufsicht durch Fed, OCC, FDIC und staatliche Behörden
- Wertpapiermarkt: SEC-Aufsicht, Registrierungspflichten für Broker-Dealer
- Derivatemarkt: CFTC-Aufsicht (Futures, Swaps)
- Internationale Steuerpflicht: US-Personen weltweit steuerpflichtig (Form 1040, FBAR, Form 8938)
- FATCA: Ausländische Finanzinstitute müssen US-Kontodaten melden oder Quellensteuer erleiden
- Corporate Transparency Act: Beneficial Ownership Reporting — seit März 2025 sind inländische US-Unternehmen per Interim Final Rule von der BOI-Meldepflicht befreit; gilt nur noch für ausländische Reporting Companies
Kernanforderungen
Zentrale US-Regulierungsanforderungen im internationalen Kontext:
- FATCA-Meldungen: Ausländische Finanzinstitute melden US-Kontoinhaberdaten jährlich an IRS (direkt oder über IGA-Behörden)
- FBAR: US-Personen mit ausländischen Konten über 10.000 USD müssen FinCEN 114 einreichen
- Form 8938: Meldung ausländischer Finanzwerte über Betragschwellen (FATCA-Ergänzung zur FBAR)
- PFIC-Regelungen: Strenge Besteuerung ausländischer Investmentfonds für US-Personen
- Qualified Intermediary (QI): Ausländische Banken können als QI agieren und US-Quellensteuer verwalten
Verwandte Frameworks
Korrekturen & Errata
2 Korrekturen:
- Bretton-Woods-Datum falsch (1944-07-01 statt 1944-07-22)
- Englischer Text: Falsche Subjekt-Verb-Kongruenz ('are' statt 'is')
1 Aktualisierung:
- Corporate Transparency Act: BOI-Meldepflicht fuer US-Unternehmen seit Maerz 2025 ausgesetzt
1 Praezisierung.