USA — Nichtbeteiligung am CRS (FATCA statt CRS)
Die USA nehmen nicht am OECD Common Reporting Standard (CRS) teil und setzen stattdessen FATCA ein — ein bilaterales, teils nicht-reziprokes System zum Austausch von Steuerinformationen.
Zusammenfassung
Die USA nehmen nicht am Common Reporting Standard (CRS) der OECD teil, dem multilateralen Standard für den automatischen Austausch von Finanzkonteninformationen, dem über 120 Jurisdiktionen beigetreten sind. Stattdessen betreiben die USA ihr eigenes bilaterales System: FATCA (Foreign Account Tax Compliance Act).
- CRS-Mitglied: Nein — USA haben CRS nicht ratifiziert
- Eigenes System: FATCA (seit 2014 operativ, über 110 bilaterale IGAs)
- Reziprozität: Nur teilweise — Model 1 IGAs sehen Reziprozität vor, de facto Einschränkungen bestehen
- Kritik: USA gelten als „intransparente Jurisdiktion“ für nicht-US-Meldezwecke
- Konsequenz: Ausländische Kontoinhaber bei US-Finanzinstituten werden nur eingeschränkt gemeldet
Geschichte
Die USA entwickelten FATCA 2010 unilateral und begannen, andere Länder über bilaterale Intergovernmental Agreements (IGAs) einzubinden. Während FATCA die US-Interessen bei der Aufdeckung von US-Steuerpflichtigen im Ausland schützt, bietet das System anderen Ländern keine gleichwertige Transparenz über ihre Staatsbürger in den USA.
Als die OECD 2014 den CRS als multilateralen Standard nach dem Vorbild von FATCA konzipierte und 2017 die ersten Austausche stattfanden, entschieden sich die USA bewusst dagegen, dem CRS beizutreten. Begründet wird dies u.a. mit verfassungsrechtlichen Bedenken (Datenschutz), dem bestehenden FATCA-Netz und der Auffassung, ausreichende Informationen über IGA-Gegenseitigkeit zu erhalten. Kritiker, darunter die EU, das OECD Global Forum und das Tax Justice Network, bezeichnen die USA als bedeutende nicht-teilnehmende Jurisdiktion, die Steuertransparenzlücken schafft.
Geltungsbereich
Die Nichtbeteiligung der USA am CRS hat folgende praktische Konsequenzen:
- Keine CRS-Meldungen aus USA: US-Finanzinstitute sind nicht verpflichtet, Konten ausländischer Steuerpflichtiger nach CRS-Standard zu melden
- Begrenzte IGA-Reziprozität: Unter Model 1 IGAs tauscht der IRS nur bestimmte Datenkategorien aus (Zinsen, keine Dividenden aus Treuhanddepots etc.)
- Delaware, Nevada, Wyoming: US-Bundesstaaten ermöglichen anonyme Gesellschaftsgründungen — verbunden mit mangelndem CRS-Reporting ein Transparenzproblem
- Corporate Transparency Act (CTA): Der 2021 verabschiedete CTA führt ab 2024 Beneficial-Ownership-Meldepflichten für US-Unternehmen ein und adressiert teilweise die Transparenzkritik — die Umsetzung wurde jedoch gerichtlich angefochten und war Stand 2025 in der Schwebe
- Finanzielle Einschränkung für Ausländer: Viele ausländische Finanzinstitute schließen US-Personen als Kunden aus wegen FATCA-Compliance-Aufwand
Kernanforderungen
Was gilt für ausländische Finanzinstitute trotz US-CRS-Nichtbeteiligung:
- FATCA-Meldung weiterhin Pflicht: Ausländische FIs müssen US-Kontodaten weiterhin an heimische Behörde (IGA Modell 1) oder direkt an IRS (Modell 2) melden
- Keine reziproken CRS-Daten aus USA: Ausländische Behörden erhalten für ihre in den USA ansässigen Bürger keine automatischen CRS-Daten
- AEOI-Lücke: Die USA werden in OECD-Peer-Reviews als Jurisdiktion mit eingeschränkter Reziprozität eingestuft
- EU-Druck: EU diskutiert Gegenmaßnahmen; US-Jurisdiktion figuriert in EU-Risikoanalysen
Korrekturen & Errata
5 Korrekturen:
- Erste CRS-Meldungen waren 2017, nicht 2016
- Erste CRS-Meldungen auf 2016 datiert, korrekt ist September 2017
- CRS-OECD-Verabschiedungsdatum falsch (2014-07-01 statt 2014-07-15)
- CRS-Verabschiedungsdatum falsch: 15. Juli 2014, nicht 1. Juli 2014
- official_url der OECD CRS-Seite liefert HTTP 403
5 Praezisierungen.
5 Anmerkungen.