SAF-T (Standard Audit File for Tax)
SAF-T ist ein OECD-Standard für den strukturierten elektronischen Export von Buchführungsdaten zu Prüfungszwecken – weltweit von Steuerbehörden genutzt.
Zusammenfassung
Der Standard Audit File for Tax (SAF-T) ist ein von der OECD entwickelter internationaler Standard für den strukturierten, elektronischen Export von Buchhaltungs- und Steuerdaten eines Unternehmens. Er ermöglicht Steuerbehörden, Prüfungen effizient und standardisiert durchzuführen, ohne auf unternehmensspezifische Softwareformate angewiesen zu sein.
- Format: XML-basiert; definiert Dateistruktur für Hauptbuch, Debitoren, Kreditoren, Anlagen, Lager und MWST
- Verbreitung: Verpflichtend in zahlreichen europäischen Staaten (Portugal, Polen, Norwegen, Österreich, Rumänien, Litauen, Luxemburg u. a.); in einigen Ländern periodisch (z. B. Polen), in anderen auf Anfrage bei Betriebsprüfungen (z. B. Österreich, Norwegen)
- Varianten: Nationale Anpassungen des OECD-Standards; kein vollständig harmonisiertes EU-Format. Frankreich nutzt mit dem FEC ein von SAF-T inspiriertes eigenes Format
- Zweck: Risikobasierte Steuerprüfung, Betrugserkennung, Effizienzsteigerung bei Betriebsprüfungen
Geschichte
Die OECD entwickelte SAF-T im Jahr 2005 als Teil ihrer Initiative zur Verbesserung der Steuer-Compliance und Betrugsbekämpfung. Portugal war 2008 der erste Staat, der SAF-T verpflichtend einführte. Seither haben viele europäische Staaten eigene nationale Versionen entwickelt: SAF-T PL in Polen (2016/2018), FEC in Frankreich (seit 2014, ein von SAF-T inspiriertes, aber eigenständiges Format), SAF-T AT in Österreich (auf Anfrage bei Betriebsprüfungen).
2010 veröffentlichte die OECD eine überarbeitete Version des Standards (SAF-T 2.0), die XSD-Validierungsdateien zur Sicherstellung der Datenintegrität einführte. Trotz gemeinsamer XML-Basis weichen die nationalen Implementierungen erheblich voneinander ab, was die Compliance für multinationale Unternehmen aufwendig macht.
In den letzten Jahren kamen weitere Länder hinzu: Rumänien führte SAF-T ab 2022 schrittweise ein, Litauen und Luxemburg machten SAF-T verpflichtend, und Bulgarien startet im Januar 2026 mit einer SAF-T-Pflicht für Grossunternehmen. Norwegen hat für 2025 die Version SAF-T Financial 1.3 als neues Pflichtformat eingeführt. Im Rahmen von ViDA diskutiert die EU-Kommission eine mögliche stärkere Harmonisierung im Kontext der Digital Reporting Requirements.
Geltungsbereich
SAF-T wird auf nationaler Ebene unterschiedlich angewendet. Typische Anwendungsbereiche:
- Auf Anforderung der Steuerbehörde im Rahmen einer Betriebsprüfung (z. B. Österreich, Norwegen)
- Regelmässige periodische Übermittlung (z. B. monatliche JPK_VAT-Meldung in Polen; andere JPK-Strukturen wie JPK_KR für das Hauptbuch werden in Polen nur auf Anfrage übermittelt)
- Für alle buchführungspflichtigen Unternehmen ab bestimmten Umsatz-/Grössen-Schwellen
Inhaltlich umfasst SAF-T üblicherweise: Hauptbuchdaten, Kunden- und Lieferantentransaktionen, Anlagenbuchhaltung, Lagerinformationen sowie MWST-relevante Daten.
Kernanforderungen
- Export der Buchführungsdaten in einem standardisierten XML-Format gemäss nationalem SAF-T-Schema
- Vollständigkeit und Integrität der exportierten Daten
- Übermittlung innerhalb der von der Steuerbehörde gesetzten Fristen (je nach Land: auf Anfrage oder periodisch)
- Lesbarkeit und maschinelle Verarbeitbarkeit ohne proprietäre Software
- Nationale Validierungsregeln sind zu beachten (unterschiedlich je Mitgliedstaat)
Verwandte Frameworks
Korrekturen & Errata
3 Korrekturen:
- SAF-T 2.0 wurde 2010 veroeffentlicht, nicht 2013
- Norwegen ist kein EU-Mitgliedstaat
- Offizielle OECD-URL nicht mehr erreichbar (403)
3 Aktualisierungen:
- Fehlender key_dates-Eintrag fuer SAF-T 2.0 (2010)
- Fehlende wichtige SAF-T-Laender: Rumaenien, Litauen, Luxemburg, Bulgarien
- Keine Erwaehnung aktueller Entwicklungen (Norwegen 1.3, Bulgarien 2026, Portugal Verschiebung)
3 Praezisierungen.