XBRL (eXtensible Business Reporting Language)
XBRL ist ein globaler XML-Standard für strukturierte Finanzberichterstattung, der von Regulatoren weltweit – inklusive EU, SEC und ESMA – verbindlich vorgeschrieben wird.
Zusammenfassung
XBRL (eXtensible Business Reporting Language) ist ein auf XML basierender, offener Standard für den elektronischen Austausch von Finanz- und Geschäftsinformationen. Er ermöglicht die maschinelle Verarbeitung, den Vergleich und die Analyse von Finanzdaten ohne manuelle Aufbereitung.
- Taxonomien: Strukturierte Datenwörterbücher, die Bilanz-, GuV- und Anhangpositionen maschinenlesbar definieren
- Hauptanwender: Börsenaufsichtsbehörden (SEC, ESMA), Steuerbehörden, Zentralbanken, Bankaufsicht (EBA)
- EU-Pflicht: Europäisches Einheitliches Elektronisches Format (ESEF) für börsennotierte Unternehmen seit 2020/2021
- iXBRL: Inline-XBRL kombiniert maschinenlesbare XBRL-Tags mit menschenlesbarem HTML
Geschichte
XBRL wurde 1998 vom amerikanischen CPA Charles Hoffman als Konzept entwickelt und 1999 unter dem Namen XFRML (eXtensible Financial Reporting Markup Language) erstmals spezifiziert. Im April 2000 wurde das Projekt in XBRL umbenannt, als der Anwendungsbereich über die reine Finanzberichterstattung hinaus erweitert wurde. Im selben Jahr wurde das XBRL-Projekt unter Federführung des AICPA (American Institute of Certified Public Accountants) gestartet und XBRL International als globales Konsortium aufgebaut. Die erste XBRL-Spezifikation (Version 1.0) wurde im Juli 2000 veröffentlicht. Die SEC (US-Börsenaufsicht) schrieb XBRL-Reporting ab 2009 für börsennotierte Unternehmen vor.
In der EU wurde XBRL im Rahmen der Transparenzrichtlinie und insbesondere durch die Delegierte Verordnung (EU) 2019/815 (ESEF-Verordnung) verpflichtend eingeführt. Unternehmen, deren Wertpapiere an EU-geregelten Märkten notiert sind, müssen Jahresberichte seit dem Geschäftsjahr 2020 im iXBRL-Format einreichen. Aufgrund der COVID-19-Pandemie ermöglichte die Delegierte Verordnung (EU) 2020/1989 den Mitgliedstaaten eine Verschiebung der ESEF-Pflicht um ein Jahr (auf Geschäftsjahre ab 1. Januar 2021), wovon viele Mitgliedstaaten Gebrauch machten. Die EBA setzt XBRL für aufsichtsrechtliche Meldungen (COREP, FINREP) ein.
Geltungsbereich
XBRL wird in verschiedenen regulatorischen Kontexten genutzt:
- ESEF (EU): Jahresfinanzberichte börsennotierter Unternehmen auf EU-geregelten Märkten
- EBA XBRL: Aufsichtsrechtliche Meldungen von Banken und Wertpapierfirmen (COREP, FINREP)
- EZB/ECB: AnaCredit (Analytical Credit Datasets) — granulare Kreditdatenerhebung
- SEC (USA): 10-K, 10-Q und andere Pflichtmeldungen
- Steuerbehörden: Steuererklärungen in XBRL (z. B. Niederlande, Dänemark, Belgien)
- Statistik: Meldungen an Zentralbanken und Statistikbehörden
Kernanforderungen
- Tagging von Finanzdaten mit XBRL-Elementen gemäss der anwendbaren Taxonomie (z. B. IFRS-Taxonomie, EBA-Taxonomie)
- Für ESEF: iXBRL-Format; Einreichung über nationales Amtsblatt (OAM)
- Pflicht-Tagging für primäre Abschlussbestandteile; erweitertes Tagging für Anhangangaben
- Validierung gegen Taxonomie-Schema und Validierungsregeln
- Jährliche Anpassung an aktualisierte Taxonomieversionen
Korrekturen & Errata
3 Korrekturen:
- key_dates: ESEF-Verordnung falsch als 'EU-Verordnung' statt 'Delegierte Verordnung' bezeichnet
- History: XBRL hiess 1999 noch XFRML, nicht XBRL
- effective_date 1999-01-01 ist unpraezise — XBRL 1.0 erschien Juli 2000
4 Aktualisierungen:
- key_dates: Inline XBRL (iXBRL) Spezifikation fehlt — zentral fuer ESEF-Verstaendnis
- History/key_dates: COVID-19-Verschiebung der ESEF-Pflicht fehlt
- key_dates: XBRL 2.1 Spezifikation (2003) fehlt — ist die bis heute gueltige Hauptversion
- last_amended 2022-01-01 ist veraltet — ESEF-Taxonomie wurde mehrfach aktualisiert
3 Praezisierungen.