IFRS — Internationale Rechnungslegungsstandards
Die IFRS sind globale Rechnungslegungsstandards des IASB, seit 2005 in der EU verpflichtend für börsennotierte Unternehmen. Über 140 Jurisdiktionen wenden IFRS an.
Zusammenfassung
Die International Financial Reporting Standards (IFRS) sind ein Satz globaler Rechnungslegungsstandards, die vom International Accounting Standards Board (IASB) der IFRS Foundation entwickelt werden. Sie legen fest, wie Unternehmen ihre Geschäftsvorfälle und Finanzlage in Jahresabschlüssen darstellen, und zielen auf Transparenz, Vergleichbarkeit und Qualität der Finanzberichterstattung weltweit.
In der EU sind IFRS seit dem 1. Januar 2005 für die konsolidierten Abschlüsse kapitalmarktorientierter Unternehmen verpflichtend (IAS-Verordnung (EG) Nr. 1606/2002). Die Standards werden über den EU-Endorsement-Prozess in europäisches Recht übernommen. Weltweit werden IFRS in über 140 Jurisdiktionen angewendet oder vorgeschrieben.
Das IFRS-Rahmenwerk umfasst 19 IFRS-Standards (IFRS 1–19), 25 ältere IAS-Standards sowie zahlreiche Interpretationen. Zu den wichtigsten neueren Standards zählen IFRS 9 (Finanzinstrumente, seit 2018), IFRS 15 (Umsatzerlöse, seit 2018), IFRS 16 (Leasingverhältnisse, seit 2019) und IFRS 17 (Versicherungsverträge, seit 2023). Im April 2024 gab das IASB zudem IFRS 18 (Darstellung und Angaben im Abschluss) heraus, der IAS 1 ersetzt und ab dem 1. Januar 2027 wirksam wird. Seit 2021 entwickelt das International Sustainability Standards Board (ISSB) ergänzende Nachhaltigkeitsberichtsstandards (IFRS S1, S2).
Geschichte
Die Vorgängerorganisation des IASB, das International Accounting Standards Committee (IASC), wurde im Juni 1973 von Berufsverbänden aus zehn Ländern gegründet und gab die International Accounting Standards (IAS) heraus. Am 1. April 2001 übernahm der neu gegründete IASB die Verantwortung für die Standardsetzung und benannte neue Standards fortan als IFRS.
Im Juli 2002 verabschiedeten das Europäische Parlament und der Rat die IAS-Verordnung (EG) Nr. 1606/2002, die ab 2005 die verpflichtende Anwendung der IFRS für konsolidierte Abschlüsse börsennotierter EU-Unternehmen vorschrieb. Dies war ein Meilenstein für die globale Harmonisierung der Rechnungslegung. Die IFRS Foundation wurde am 1. Juli 2010 umbenannt (zuvor IASC Foundation). Im November 2021 wurde auf der COP26 in Glasgow das ISSB gegründet, das im Juni 2023 die ersten Nachhaltigkeitsstandards IFRS S1 und S2 finalisierte. Bis 2026 haben 36 Jurisdiktionen Schritte zur Einführung der ISSB-Standards unternommen.
Geltungsbereich
Die IFRS gelten weltweit für eine Vielzahl von Unternehmen und Berichtsanlässen:
- EU: Verpflichtend für die konsolidierten Abschlüsse aller kapitalmarktorientierten Unternehmen (Aktien oder Schuldtitel an einem geregelten Markt). Mitgliedstaaten können IFRS auch für Einzelabschlüsse und nicht-kapitalmarktorientierte Unternehmen zulassen oder vorschreiben.
- Global: Über 140 Jurisdiktionen weltweit verlangen oder erlauben IFRS für alle oder die meisten börsennotierten Unternehmen.
- Finanzinstitute: IFRS 9 (Finanzinstrumente) und IFRS 17 (Versicherungsverträge) sind für Banken und Versicherungen von zentraler Bedeutung.
- IFRS for SMEs: Ein vereinfachter Standard für kleine und mittlere Unternehmen ohne öffentliche Rechenschaftspflicht.
- ISSB-Standards: IFRS S1 (allgemeine Nachhaltigkeitsoffenlegung) und IFRS S2 (klimabezogene Offenlegung) richten sich an kapitalmarktorientierte Unternehmen weltweit; die Übernahme in nationale Regulierungen ist im Gange.
Kernanforderungen
- Fair Presentation: Abschlüsse müssen ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage vermitteln.
- IFRS 9 — Finanzinstrumente: Klassifikation und Bewertung finanzieller Vermögenswerte nach Geschäftsmodell und Zahlungsstromeigenschaften; Expected-Credit-Loss-Modell (ECL) für die Wertminderung; überarbeitete Hedge-Accounting-Regeln.
- IFRS 15 — Umsatzerlöse: Fünfstufiges Modell zur Erfassung von Umsatzerlösen aus Verträgen mit Kunden; ersetzt IAS 18 und IAS 11.
- IFRS 16 — Leasingverhältnisse: Leasingnehmer bilanzieren grundsätzlich alle Leasingverhältnisse in der Bilanz (Nutzungsrecht-Vermögenswert und Leasingverbindlichkeit).
- IFRS 17 — Versicherungsverträge: Einheitliches Bewertungsmodell für Versicherungsverträge mit dem Building Blocks Approach; gilt seit 1. Januar 2023.
- EU-Endorsement: Jeder neue oder geänderte Standard muss den EU-Übernahme-Prozess (Endorsement) durchlaufen, bevor er in der EU anwendbar wird.
- ISSB-Standards: IFRS S1 und S2 erfordern Offenlegung nachhaltigkeitsbezogener Risiken und Chancen sowie klimabezogener Informationen im Rahmen des allgemeinen Finanzberichts.
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Korrekturen & Errata
Die Zusammenfassung gibt '18 IFRS-Standards (IFRS 1–18)' an. Seit Mai 2024 existiert IFRS 19 'Subsidiaries without Public Accountability: Disclosures' (wirksam ab 1. Januar 2027).
Alle Details auf der Errata-Seite →History/Summary erwähnen die Finalisierung von IFRS S1/S2 im Juni 2023, geben aber das Wirksamkeitsdatum (Berichtsperioden ab 1. Januar 2024) nicht an; fehlt auch in key_dates.
Alle Details auf der Errata-Seite →Die Zusammenfassung nennt 18 IFRS-Standards, erwähnt aber nicht, dass IFRS 18 'Presentation and Disclosure in Financial Statements' im April 2024 herausgegeben wurde, IAS 1 ersetzt und ab dem 1. Januar 2027 wirksam ist. Fehlt vollständig in key_dates.
Alle Details auf der Errata-Seite →IFRS hatte keine Verbindungen. Mit CRD/CRR verknuepft (IFRS in Kapitalberechnungen verwendet).
Alle Details auf der Errata-Seite →